Das Rating soll zu jedem Firmenkunden eine Bonitätsaussage treffen. Im Ratingverfahren der Sparkassen-Finanzgruppe wird als Ergebnis jedem Kunden eine von 18 Ratingklassen zugeordnet. Dabei wird der Ratingklasse 1 die beste Bonität und damit die geringste Ausfallwahrscheinlichkeit zugerechnet. Mit der Ratingklasse 18 werden zahlungsunfähige Unternehmen bewertet.
Grundsätzlich ist das Rating für alle Kundengruppen der Sparkasse geeignet. Bei den Kennzahlen und Informationen, anhand derer das Unternehmen und seine Bonität beurteilt werden, wird dabei sachgerecht unterschieden. So sind die Schwerpunkte, die im Rating für einen Handwerksbetrieb gesetzt werden, bewusst anders gewählt als bei der Einstufung eines überregional tätigen Industriebetriebes, eines freiberuflich tätigen Kundens oder eines Existenzgründers. Somit gibt es bei den Sparkassen und Landesbanken für jeden Kunden das für ihn passende Ratingverfahren.
Welche Faktoren beeinflussen aber das Ratingergebnis nun tatsächlich? Das neue Ratingverfahren der Sparkassen-Finanzgruppe hat einen vierstufigen Aufbau:
Stufe 1: Finanzrating
Das Finanzrating basiert auf dem Jahresabschluss - also Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung, Anhang und Lagebericht - des Kunden. Bei Kunden mit freiberuflicher Tätigkeit wird alternativ die Einnahmen-Überschuss- Rechnung nach den Vorschriften des Steuerrechtes herangezogen. Das Ratingverfahren untersucht nun die aus dem Jahresabschluss abgeleiteten betriebs- und finanzwirtschaftlichen Kennzahlen.
Bei der Auswahl dieser Finanzkennzahlen wurde sehr sorgfältig darauf geachtet, dass das betrachtete Unternehmen ganzheitlich dargestellt wird. So finden für die unterschiedlichen Kundentypen (zum Beispiel Produktionsbetrieb, Handelsunternehmen, Dienstleister) die jeweils für diese Kundengruppe besonders aussagekräftigen Kennzahlen Einzug in das Ratingverfahren. Für jede dieser Kundengruppen werden fest definierte Kennzahlen zu den drei Bereichen
- Ertragslage
- Vermögenslage
- Finanzlage
Stufe 2: Qualitatives Rating
In der zweiten Stufe des Ratings, dem qualitativen Rating, fließen die Faktoren jenseits der Bilanz in den Bewertungsprozess ein. Auch im qualitativen Rating wird das Unternehmen in seiner Gesamtheit abgebildet. Mit zunehmender Größe des Unternehmens nimmt dabei der Umfang und die Qualität der Fragen sukzessive zu. Typische qualitative Erfolgsfaktoren für Firmenkunden sind:
- Ergebnisplanung
- Finanzplanung
- Kontoführung im Rahmen der Vereinbarung
- Controlling
- Vertrieb
- Marketing
- Sicherstellung der Nachfolgeregelung
- Marktstellung
- Produkt-/Dienstleistungsqualität
- Einkauf
- Lagerhaltung
- Produktion
Stufe 3: Warnsignale
In der dritten Stufe des Ratingverfahrens kann es zu Abstufungen aufgrund von so genannten Warnsignalen kommen. Warnsignale treten naturgemäß zeitlich erst sehr kurz vor einer Unternehmenskrise auf. Typische Warnsignale sind die Zustellung eines Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses, Scheckrückgaben mangels Kontodeckung, nichtbezahlte Darlehensraten und andere.
Stufe 4: Haftungsverbünde
Das Ratingverfahren bewertet jedes Unternehmen, also jede rechtliche Einheit, für sich allein. In der letzten und vierten Stufe des Ratings wird der Fall gewürdigt, dass sich ein Unternehmen innerhalb einer Konzernstruktur in einem Haftungsverbund befindet. Bei einer wirtschaftlich sehr starken Muttergesellschaft kann sich das für den Kunden der Sparkasse/Landesbank als Chance darstellen, bei einer defizitär arbeitenden Tochtergesellschaft hingegen als Risiko. Im Ratingprozess werden diese Chancen und Risiken innerhalb einer Konzernstruktur entsprechend bewertet und gewürdigt.
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