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Richtiger Hebel: Exporteure brauchen oft Auslandsniederlassungen

Richtiger Hebel

Exporteure brauchen oft Auslandsniederlassungen, um im Markt Fuß zu fassen. Das erfordert ein spezielles Finanzierungskonzept. Leasing erweist sich häufig als ein Mittel der Wahl. Welche Argumente dafür sprechen.
 

 

Autorin: Eva Neuthinger
Textquelle: AUSSEN WIRTSCHAFT 2/2017

Kunststoff-Formteile für Premiumautos sind das Metier des Familienunternehmens Gealan Formteile GmbH im oberfränkischen Oberkotzau. Große Namen wie BMW, Audi oder Daimler zählen zu den Kunden. 2014 wurde eine Schwestergesellschaft in Ungarn gegründet. „Wir investierten 900.000 Euro in zwei Spritzgießmaschinen, ein Trocknungsgerät sowie in Temperieranlagen“, erklärt Thomas Fickenscher, Geschäftsführer des Unternehmens. Das Projekt finanzierte er via Leasing. Die Sparkasse Hochfranken vermittelte den Kontakt zur Deutschen Leasing in Ungarn, eine Gesellschaft der Sparkassen-Finanzgruppe. „Das attraktive Angebot, die sehr kompetente Beratung sowie die Betreuung vor Ort haben mich überzeugt“, so der Unternehmer.

Diese Finanzierung bringt der Firma mehrere Vorteile. Zum einen konnte sie eine grenzüberschreitende Transaktion vermeiden, die regelmäßig mit einem erhöhten Finanzierungsrisiko verbunden ist. Zum anderen aber profitiert Gealan von festen, genau kalkulierbaren Raten und schont seine Liquidität. Am Ende der Laufzeit geht das Eigentum an den Maschinen auf den Leasingnehmer über.
 

Dynamische Entwicklung

Nach einer aktuellen DIHK-Umfrage entwickelten sich die Auslandsinvestitionen der deutschen Wirtschaft 2016 dynamischer als die inländischen Aktivitäten. „Die dafür eingesetzten Budgets stiegen sogar leicht gegenüber Vorjahr“, so DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Mehr als die Hälfte der Firmen, die in 2016 investierten, setzten auf einen neuen Standort innerhalb der Eurozone, gefolgt von der Wachstumsregion China und Nordamerika.

Niederlassungen und die Produktion in fernen Ländern aber sind teuer. Damit stellt sich die Frage der Finanzierung. Die Aufnahme eines Bankkredits ist prinzipiell möglich. Allerdings weist die Finanzierung von Projekten im Ausland Besonderheiten auf – verbunden mit einem erhöhten Risiko. „Im Ernstfall können die Banken zum Beispiel auf eine finanzierte Maschine nur schwer zugreifen. Die Objekte lassen sich von Deutschland aus nicht so einfach kapitalisieren“, erklärt Frank Speckmann, Geschäftsführer der Deutschen Leasing für Sparkasse und Mittelstand. Die Geldinstitute brauchen zusätzliche inländische Sicherheiten. „Versucht ein Mittelständler, Kreditfinanzierungen direkt im Ausland zu akquirieren, fordern viele lokale Institute wie beispielsweise in den USA sogar den Nachweis einer Kredithistorie“, weiß Moritz von Gemmingen, Leiter Market Unit German Desk der Deutschen Leasing.
 

Auslandsleasing als Alternative

DAL neuer Hauptsitz

Auslandsleasing lautet deshalb oft die Lösung. Bei vielen Mittelständlern steht diese Finanzierung hoch im Kurs. „Das Geschäftsfeld entwickelt sich mit steigender Tendenz. Ungefähr ein Drittel unserer Mitglieder ist jenseits der deutschen Grenzen aktiv“, erklärt Horst Fittler, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Leasinggesellschaften. So auch die Deutsche Leasing als Partner der Sparkassen: „Wir verfügen über ein starkes Auslandsnetz in mehr als 22 Ländern, beispielsweise in Brasilien oder China“, erklärt von Gemmingen.

Infrage kommt Auslandsleasing meist ab einer Investitionssumme von etwa 150.000 Euro. Grundsätzlich schaut sich die Deutsche Leasing mit den Sparkassen zunächst den gesamten Ansatz des Unternehmens an, um eine Bewertung vornehmen zu können. Das passiert unabhängig von der gewählten Vertragsvariante: Das Operate Lease oder Finance Lease sind in der Regel vergleichbar mit dem deutschen Mietkauf. Gegen Zahlung der monatlichen Rate darf der Leasingnehmer das Objekt nutzen. Das Investitionsrisiko trägt der Unternehmer. Am Ende der Laufzeit kann er das Wirtschaftsgut zum Restwert übernehmen oder bekommt grundsätzlich die Eigentumswerte übertragen.
 

Der Firmenchef hat auch die Option, mit der Deutschen Leasing gleich einen Darlehensvertrag abzuschließen. „Wir haben im Auslandsgeschäft ein wenig andere Vertragsstrukturen als im Inland. Wir erörtern mit dem Unternehmer immer individuell alle Möglichkeiten“, kommentiert Speckmann. In vielen Fällen können auch öffentliche Förderungen zu günstigen Konditionen eingebunden werden.
 

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Speckmann erklärt: „Je früher wir in den Planungsprozess eingebunden werden, desto besser.“ Wie bei jeder Investition reicht der Unternehmer eine Expertise zum geplanten Projekt bei seinem Firmenkundenbetreuer der Sparkasse ein, der in der Regel den Kontakt zur Deutschen Leasing vermittelt. Wichtig ist es, das Konzept schlüssig und verständlich zu erläutern sowie die üblichen Bonitätsunterlagen wie etwa laufende Betriebswirtschaftliche Auswertungen und eine Liquiditäts- oder Ertragsvorschau beizulegen.

Relevant ist für die Deutsche Leasing immer auch die Werthaltigkeit des Objektes, also dessen Wiederverwertbarkeit. Bei Bedarf finanziert die Gesellschaft das Wirtschaftsgut komplett. Der Unternehmer benötigt zwar ausreichend Bonität, aber kein Eigenkapital.
 

Leasing zur Absatzfinanzierung

Analog läuft das Verfahren ab, wenn der deutsche Unternehmer seinem Kunden im Ausland eine Absatzfinanzierung bieten möchte. Der Leasinggeber prüft dann im ersten Schritt die Bonität des Geschäftspartners im Ausland sowie dessen Geschäftsmodell. Miet-, Mietkauf-, Kredit- oder Leasingverträge sind prinzipiell möglich.
 

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Unterm Strich wird klar: „Solche Finanzierungslösungen erfordern eine gute Portion Erfahrung und Know-how – insbesondere der Usancen im jeweiligen Auslandsmarkt“, so Fittler. Die Deutsche Leasing kooperiert dazu mit dem internationalen Netzwerk der Sparkassen-Finanzgruppe, dem S-CountryDesk. Die Experten pflegen gezielt Kontakte zur Außenhandelskammer, zu Rechtsanwälten und zu Steuerberatern. Das ist wichtig. Denn bei Direktinvestitionen selbst innerhalb der EU haben Exporteure zahlreiche Vorschriften und Besonderheiten zu berücksichtigen. „Wir sehen unsere Kernkompetenz auch darin, dass wir ganzheitlich betreuen können“, so von Gemmingen.
 

Davon profitierte jüngst die Firma EuBo-Rollrasen GmbH im rheinischen Bornheim. Das Unternehmen gehört zu den führenden deutschen Produzenten und unterhält seit sieben Jahren auch Flächen in Polen. 2016 schloss die Gesellschaft einen Finance-Lease-Vertrag mit saisonalem Ratenverlauf und einer minimalen Anzahlung für zehn neue Beregnungsanlagen in Polen. Beraten wurde die Firma vor Ort vom German Desk Manager der Deutschen Leasing. „Uns hat der direkte Kontakt mit den Experten in Polen überzeugt“, sagt Josefine Herter, Geschäftsführerin des Familienunternehmens.

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